In einem am 05.02.2007 veröffentlichten Artikel wurde mal wieder über die “übermäßigen Beitragserhöhungen” im Alter in der PKV (private Krankenversicherung) berichtet. Laut Stiftung Warentest wurden in der PKV in den letzten 20 Jahren die Beiträge jährlich um durchschnittlich 6% erhöht. In der GKV (gesetzliche Krankenversicherung) liege die durchschnittliche Erhöhung hingegen nur bei 3%. Daraus ergibt sich, dass der Beitrag in der PKV sich ca. alle 12 Jahre verdoppelt. Daher sollten sich potenzielle PKV-Kunden einen Wechsel in die PKV sehr gut überlegen. Zu empfehlen wäre die PKV daher auch eher für Beamte und Alleinstehende. Nicht für Familien mit Kindern.
Es ist einfach unglaublich, dass solche Artikel, auch noch als “Verbrauchertipp” deklariert, an die Öffentlichkeit gelangen. Denn die Fakten, die zu diesen Beitragserhöhungen führen werden nicht erläutert. Ebenso wenig wird der Leser darüber aufgeklärt woher dieser Unterschied in den Erhöhungssätzen zwischen PKV- und GKV-Beiträgen herrühren kann.
Der private Krankenversicherer ist unter anderem nicht dazu berechtigt, Leistungen aus den Versicherungsverträgen zu zu streichen (wie z. B. Vorsorgeuntersuchungen zur Früherkennung von Hautkrebs). Ebenso fehlt ihm die Berechtigung neue Eigenbeteiligungen in Form von Zuzahlungen einzuführen, wenn die Beitragseinnahmen die Ausgaben nicht decken (wie z. B. eine Praxisgebühr). Alleine unter diesen zwei Gesichtspunkten sind Beitragserhöhungen bei der GKV und der PKV nicht vergleichbar (abgesehen davon, dass es sich um zwei verschiedene Systeme der “Versicherung” handelt, Sozialversicherung (GKV) bzw. Individualversicherung (PKV)) da eine gemeinsame Basis nicht wirklich gegeben ist.
Um das Ganze zu verdeutlichen: Welchen Nutzen hätte folgender Vergleich?
Der Preis für Benzin-Kraftstoff ist in den letzten 20 Jahren jährlich um durchschnittlich 6% gestiegen, der Preis für Diesel-Kraftstoff hingegen um 3%. Werde ich deswegen mit meinem Benziner in Zukunft Diesel tanken? Wohl eher nicht. Denn auch hier handelt es sich um zwei Unterschiedliche Systeme die nicht unbedingt mit einander verglichen werden können, die auch beide ihre Vor- und Nachteile haben.
Die prozentualen Angaben mögen zwar richtig sein, aber auch hier darf man nicht alle Versicherer und Tarife über einen Kamm scheren. Diese müssen individuell betrachtet werden um tatsächlich herausfinden zu können wie sich die Beiträge bisher entwickelt haben und in Zukunft entwickeln werden. Dies gilt hauptsächlich für die PKV.
Der Verbraucher wird mit Artikeln die nur “Halbwahrheiten” enthalten in die Irre geführt, da er die Hintergründe nicht kennt und in vielen Fällen auch nicht kennen kann. Dieses Problem gibt es sicherlich nicht nur im Bereich der PKV. Die Aufklärung des Verbrauchers ist generell sehr wichtig. Denn solche Artikel fördern unter anderem den schlechten Ruf der Versicherungsbranche. Entgegenwirken kann man diesem Problem nur, indem man die Verbraucher aufklärt. Zu dieser “Aufklärung” werde ich in Zukunft mit diesem Blog versuchen beizutragen.


